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Trotz der durch eine dreitägige Feuerpause abgewendeten Gefahr ukrainischer Angriffe hat Russland seine traditionelle Militärparade zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs am Samstag in deutlich bescheidenerem Umfang abgehalten als in den vergangenen Jahren. Kreml-Chef Wladimir Putin verglich den Kampf der russischen Armee gegen die Ukraine mit dem damaligen Krieg gegen Nazi-Deutschland. Der heutige Gegner seien "aggressive", "von der gesamten Nato" unterstützte Streitkräfte, sagte er in seiner Rede.
Die traditionelle Militärparade auf dem Roten Platz in der russischen Hauptstadt Moskau begann um kurz nach 10.00 Uhr Ortszeit (09.00 Uhr MESZ) mit einer Formation von Soldaten, die eine große russische Flagge trugen. Wie im Staatsfernsehen zu sehen war, fuhren zum ersten Mal seit fast 20 Jahren keine Panzer oder anderes schweres militärisches Gerät auf.
Für Kreml-Chef Putin, der bereits seit 26 Jahren über Russland herrscht, bietet das Gedenken an den sowjetischen Sieg im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Gelegenheit, das russische Volk hinter sich zu versammeln. In seiner Rede vor mehreren hundert Soldaten sagte er, die "große Leistung" der Roten Armee im Kampf gegen Nazi-Deutschland inspiriere die heutigen Soldaten bei ihrem Einsatz in der Ukraine. Er sei "zutiefst überzeugt, das unsere Sache gerecht ist".
"Der Sieg war unser und er wird es immer sein", fügte der russische Staatschef hinzu. Nach seiner Rede erklang die russische Nationalhymne.
An der Parade nahm auch Verteidigungsminister Andrej Beloussow teil, der Angehörigen der Streitkräfte für ihren Einsatz dankte, darunter auch nordkoreanischen Soldaten. Nach Angaben des Staatsfernsehens hatten sie die russische Armee bei der Rückeroberung der russischen Region Kursk von der Ukraine im Frühjahr 2025 unterstützt.
Bereits nach 45 Minuten war der Aufmarsch vorbei. Die Parade wurde von umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, funktionierte im Stadtzentrum das mobile Internet nicht und fast alle Straßen der russischen Hauptstadt wirkten wie ausgestorben.
Auch die Zahl der ausländischen Gäste bei der Parade war geringer als üblich. Nur die Staatschefs von Belarus, Usbekistan, Kasachstan, Laos und Malaysia reisten nach Moskau. Der slowakische Regierungschef Robert Fico wurde vor der Parade von Putin empfangen.
Im Vorfeld der Parade hatte die Bedrohung, dass die Ukraine den Aufmarsch auf dem Roten Platz mit Drohnen angreifen könnte, für Anspannung gesorgt. Die russische Führung hatte für Freitag und Samstag bereits einseitig eine Feuerpause ausgerufen. Dennoch überzogen sich Russland und die Ukraine am Freitag gegenseitig mit Angriffen.
Am Freitagabend verkündete jedoch US-Präsident Donald Trump eine dreitägige Feuerpause ab Samstag, die von Moskau und Kiew bestätigt wurde. Beide Seiten vereinbarten demnach zudem den Austausch von jeweils tausend Kriegsgefangenen. Er hoffe, dies sei "der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart geführten Krieges", erklärte der US-Präsident in seinem Onlinedienst Truth Social.
Mit Blick auf die Waffenruhe erklärte Trump: "Diese Forderung wurde direkt von mir geäußert, und ich weiß sehr zu schätzen, dass Präsident Wladimir Putin und Präsident Wolodymyr Selenskyj ihr zugestimmt haben." Vor Journalisten äußerte der US-Präsident zudem die Hoffnung, dass die Waffenruhe verlängert werden könnte.
Wie unmittelbar nach Trumps Ankündigung bekannt wurde, ordnete Selenskyj per Dekret an, dass die Ukraine die russische Parade zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 81 Jahren nicht unter Beschuss nimmt. "Für die Dauer der Parade" werde der Rote Platz in Moskau "vom Plan für den Einsatz ukrainischer Waffen ausgenommen", hieß es in der Anordnung.
Mit Blick auf den geplanten Gefangenenaustausch erklärte Selenskyj: "Der Rote Platz ist für uns weniger wichtig als das Leben der ukrainischen Gefangenen, die nach Hause zurückkehren können." Der Kreml erklärte, es sei "wichtig", dass die Feuerpause mit Russlands "heiligem" Feiertag zusammenfalle
Russlands Konflikt mit der Ukraine dauert mittlerweile seit mehr als vier Jahren an. Mit bereits hunderttausenden Toten ist es der blutigste Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Beendigung des Konflikts lagen seit dem letzten Treffen im März auf Eis. Die USA, die in den Gesprächen vermittelt hatten, konzentrieren sich momentan auf den Konflikt mit dem Iran. Am Donnerstag fanden in Florida jedoch erstmals seit Ende März wieder Gespräche zwischen ukrainischen und US-Gesandten statt. Selenskyj rechnet nach eigenen Angaben mit einem Gegenbesuch der US-Verhandler in den kommenden Wochen.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) kündigte unterdessen eine neue Verhandlungsinitiative Europas an. "Wir sind bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen und sind darüber mit den USA und der Ukraine im Gespräch", sagte Wadephul der "Welt am Sonntag". "Im E3-Format mit Frankreich und Großbritannien unternehmen wir einen neuen Anlauf, wieder in Verhandlungen hineinzukommen – mit einer größeren Rolle Europas in den nächsten Wochen und Monaten."
C.M.Harper--TFWP