The Fort Worth Press - Der Berliner Gendarmenmarkt erzählt von französischer Einwanderung und Wandel

USD -
AED 3.6725
AFN 64.999753
ALL 81.357903
AMD 360.070206
ANG 1.789785
AOA 916.999886
ARS 1547.804802
AUD 1.431967
AWG 1.8
AZN 1.698444
BAM 1.749538
BBD 2.014491
BDT 124.528133
BGN 1.747831
BHD 0.377583
BIF 3003.578138
BMD 1
BND 1.281242
BOB 12.077109
BRL 5.495098
BSD 1.000179
BTN 94.816173
BWP 13.835763
BYN 2.972269
BYR 19600
BZD 2.011629
CAD 1.399245
CDF 2310.000029
CHF 0.820625
CLF 0.024903
CLP 980.079958
CNY 6.648298
CNH 6.66905
COP 3221.04
CRC 453.886752
CUC 1
CUP 24.004938
CVE 98.634512
CZK 21.749295
DJF 178.109947
DKK 6.678475
DOP 60.273458
DZD 136.097969
EGP 55.310203
ERN 15
ETB 164.160301
EUR 0.89361
FJD 2.24675
FKP 0.745229
GBP 0.744857
GEL 2.594977
GGP 0.745229
GHS 11.657572
GIP 0.745229
GMD 73.501199
GNF 8859.468647
GTQ 7.64648
GYD 209.660034
HKD 7.84545
HNL 26.882427
HRK 6.76901
HTG 131.102375
HUF 325.79404
IDR 18146
ILS 3.16155
IMP 0.745229
INR 94.68185
IQD 1516.318471
IRR 1879653.99949
ISK 121.68022
JEP 0.745229
JMD 158.643546
JOD 0.709044
JPY 158.455035
KES 129.960118
KGS 87.449896
KHR 4085.338581
KMF 440.000264
KPW 899.999961
KRW 1343.319953
KWD 0.31148
KYD 0.833527
KZT 452.670185
LAK 22526.165131
LBP 89568.029341
LKR 332.77574
LRD 170.033098
LSL 16.671885
LTL 2.95274
LVL 0.60489
LYD 6.418198
MAD 9.82937
MDL 18.093747
MGA 4540.656588
MKD 55.003284
MMK 2099.543828
MNT 3601.136904
MOP 8.083013
MRU 40.599338
MUR 47.297294
MVR 15.459954
MWK 1734.315528
MXN 18.67232
MYR 4.075298
MZN 63.902382
NAD 16.67181
NGN 1344.779601
NIO 36.81009
NOK 9.286015
NPR 151.705877
NZD 1.78017
OMR 0.3845
PAB 1.000358
PEN 3.4665
PGK 4.486924
PHP 63.492959
PKR 276.680651
PLN 3.94486
PYG 5974.621946
QAR 3.646073
RON 4.773984
RSD 105.071011
RUB 81.627534
RWF 1479.291529
SAR 3.764539
SBD 8.058206
SCR 13.710048
SDG 601.491994
SEK 9.801555
SGD 1.280875
SHP 0.748335
SLE 22.898941
SLL 20969.504398
SOS 571.607478
SRD 37.542025
STD 20697.981008
STN 21.916093
SVC 8.752125
SYP 13001.999685
SZL 16.65623
THB 33.756957
TJS 9.191837
TMT 3.5
TND 2.988653
TOP 2.40776
TRY 49.997797
TTD 6.780571
TWD 32.801801
TZS 2643.994985
UAH 45.664104
UGX 4225.799382
UYU 40.208782
UZS 11927.721621
VES 887.479805
VND 25766
VUV 118.901474
WST 2.774695
XAF 586.169905
XAG 0.02002
XAU 0.000254028253
XCD 2.70255
XCG 1.802576
XDR 0.707052
XOF 586.169905
XPF 106.682172
YER 236.199248
ZAR 16.58749
ZMK 9001.202813
ZMW 20.269255
ZWL 321.999592
SSP 5745.200537
MXV 2.102322
  • TecDAX

    9.3300

    4020.85

    +0.23%

  • DAX

    -14.4200

    25560.59

    -0.06%

  • Euro STOXX 50

    -2.0100

    6316.19

    -0.03%

  • SDAX

    25.4400

    18245.41

    +0.14%

  • MDAX

    62.1200

    31304.08

    +0.2%

  • Goldpreis

    -27.0000

    4356.9

    -0.62%

  • EUR/USD

    -0.0002

    1.1467

    -0.02%

Der Berliner Gendarmenmarkt erzählt von französischer Einwanderung und Wandel
Der Berliner Gendarmenmarkt erzählt von französischer Einwanderung und Wandel

Der Berliner Gendarmenmarkt erzählt von französischer Einwanderung und Wandel

Geschichte des Berliner Gendarmenmarktes: Die französischen Gründungen gingen schief Vor 250 Jahren wurde am Berliner Gendarmenmarkt ein französisches Theater eröffnet.

Textgröße:

Geschichte des Berliner Gendarmenmarktes: Die französischen Gründungen gingen schief Vor 250 Jahren wurde am Berliner Gendarmenmarkt ein französisches Theater eröffnet.

In der DDR wollte Peter Hacks dort ein eigenes französisches Theater haben. Hier sollte erst Französisch und dann doch Deutsch gesprochen werden: der Berliner Gendarmenmarkt, etwa 1900

Es war, wie etwa der „Geschichte der Berliner Theater“ von 1899 zu entnehmen ist, Friedrich der Große, der den Befehl gab zum Bau eines Theaters. Ungefähr da, wo heute in Berlin das Konzerthaus steht, entstand ein Gebäude mit über tausend Plätzen.

Der Ort lag außerhalb der Stadtmauern inmitten der Friedrichstadt, einem Zentrum hugenottischer Zuwanderung. 1685 hatte der Große Kurfürst mit dem Edikt von Potsdam den Zuzug der Flüchtlinge aus Frankreich kräftig befördert, ab 1688 wurde die Friedrichstadt als neue Vorstadt geplant und errichtet.

Mittendrin ein Platz, auf dessen südlicher Seite eine deutsche Kirche errichtet wurde und eine französische auf der nördlichen. Beide Kirchen hatten zunächst noch keine Türme – die kamen erst 1785, zu ausschließlich dekorativen Zwecken.

Ihre Kuppeln – französisch: Dôme – sorgten für die inzwischen etablierte Bezeichnung Deutscher und Französischer Dom. Schon früher also war die heutige stadträumliche Figur – zwei Kirchen, ein Theater – auf dem Platz vollendet: „Prophete links, Prophete rechts – das Weltkind in der Mitten“, wie die Berliner in Aneignung eines Goethe-Wortes spotteten.

Obwohl die Berliner Hugenotten damals eine veritable Parallelgesellschaft errichten durften mit eigenen Schulen, Krankenhaus, Diakonie, Gericht, Friedhöfen und ungestörtem Gebrauch der französischen Sprache, gehörte das Theater nicht zu diesen Einrichtungen. Hier bestimmte allein der frankophile Friedrich II.

So kam das Französisch auf die neue Bühne: Mit Pierre Corneilles Märtyrerstück „Polyeucte“ wurde sie am 22. Die in Ulm erscheinende Teutsche Chronik vermerkte am selben Tag missfällig, dass die Schauspieler auf dem Wege seien, „das ohnehin schon halb französische Berlin vollends ganz französisch zu machen“.

Und das Blatt berichtete („Ein Kontrast“), dass „unser teutscher Kaiser Joseph neulich zum Leidwesen aller Französlinge in Wien das ganze französische Theater“ zurückgeschickt habe nach Paris. Doch auch in Berlin war die Freude am neuen Haus mit seiner Giebelinschrift „Ridentur et corriguntur mores“ („Die Sitten mögen belacht und verbessert werden“) nur von kurzer Dauer.

Zuerst hatte der Monarch den Intendanten angewiesen – wie Adalbert Behr und Alfred Hoffmann 1984 in ihrem Buch zum Schauspielhaus belegen – eine schon zuvor in Berlin tätige französische Schauspieltruppe zu entlassen und ein neues Ensemble einzustellen: Er solle „das schlechte Crop, so jetzt noch bei dem französischen Theater ist, je eher, je besser wegschaffen“ und durch „ordentliche und geschickte Leute“ ersetzen, denen gleich Verträge für vier bis sechs Jahre gegeben werden sollten. Dann aber ließ er das Theater nach nur zwei Jahren, in denen dreimal die Woche Racine, Corneille und Voltaire gespielt worden war, aber auch Kinderballett und sogenannte Divertissements, schon wieder schließen.

Der König teilte dem Intendanten mit, dass er die Schauspieler zu entlassen habe und auch selbst von der Gehaltsliste gestrichen sei: „Die gegenwärtigen Conjuncturen bereiten auf ernstere Szenen vor. Man kann sehr gut der komischen entbehren.“

Der König plante, Österreich den Krieg zu erklären. Das Ende des Französischen Komödienhauses war besiegelt.

Das Gebäude stand leer, wurde für die Pfropfenproduktion genutzt, nach einigen Jahren aber – am 5. Dezember 1786 – auf Geheiß des neuen Königs Friedrich Wilhelm II.

wiedereröffnet und bald darauf als „Königliches Nationaltheater“ geführt. 200 Jahre nach Eröffnung des Französischen Komödienhauses, im Frühjahr 1976, beschließt die SED, den schon früher angekündigten Wiederaufbau des kriegszerstörten Ensembles auf dem Gendarmenmarkt, der zu DDR-Zeiten Platz der Akademie hieß, nun tatsächlich umzusetzen.

Als Erstes lässt die DDR die Französische Kirche wiedererstehen – klammheimlich finanziert mit Steuermillionen aus dem Westen, abgesprochen zwischen Diakonie West, Kirche Ost und den DDR-Devisenbeschaffern unter Alexander Schalck-Golodkowski. 5,5 Milliarden DM werden hier im Laufe der Jahrzehnte bewegt, zum Nutzen der Kirchen und zum Freikauf von Gefangenen.

26 in einem 100 Millionen DM schweren Sonderbauprogramm für die Rekonstruktion von Kirchen und den Bau von Gemeindezentren in den Neubauvierteln der DDR ist die Französische Friedrichstadtkirche. Jetzt kommt Peter Hacks ins Spiel.

Der lange in Ost wie West erfolgreiche Dramatiker („Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“) will ein eigenes Haus. So wie Brecht eines hatte mit dem Theater am Schiffbauerdamm („Berliner Ensemble“).

Und dafür schwebt ihm der eben neu entstandene Kirchsaal der Hugenotten vor. Hacks, ebenso streitlustig wie umstritten, geht mit Unterstützung des Freundes und Theologen Walter Beltz – Hacks-Biograf Ronald Weber nennt ihn einen „Strohmann“ – auf die Hugenottengemeinde zu.

Der von Beltz unterzeichnete, aber nach Webers Recherche auf Hacks' Schreibmaschine entstandene Brief an das „hochverehrte Konsistorium“ vom 12. März 82 schlägt der Gemeinde die Gründung eines Französischen Theaters vor, das sich vornimmt, „in seinem Wirken publikumsfreundlich und erfolgreich zu sein und sich jedes Zugeständnisses an spätbürgerliche Modernismen zu enthalten“.

Hacks, der Klassiker der DDR, will die französischen Klassiker spielen: Corneille, Racine und Molière, aber auch deutsche Klassik – Goethe – und natürlich reichlich Hacks selbst. Die Gemeinde ist damals aber gar nicht Herr im eigenen Haus.

Sie hatte die Ruine für 30 Jahre an den Bund der Evangelischen Kirchen der DDR übertragen und ihr damit die Begleitung des Wiederaufbaus angedient. Dennoch ist es die Gemeinde, die den Brief beantwortet.

Eine gelegentliche Nutzung für Aufführungen erscheint dem Konsistorium durchaus denkbar. Doch hat man gravierende Bedenken wegen des absehbaren Konflikts zwischen Theaterbetrieb und kirchlichen Aktivitäten.

Und die Gemeinde schiebt noch ein juristisches Argument gegen das Projekt vor: Die der Gemeinde einst „wegen landesherrlicher Hoheitsakte verliehenen Privilegien“ gestatteten ihr ausschließlich kirchliche und diakonische Aktivitäten – sie sei nicht befugt, die Trägerschaft für eine kulturelle Einrichtung zu übernehmen. Das war ein denkbar schwacher Einwand, betrieb die Gemeinde doch längst eine kulturelle Einrichtung, nämlich das Hugenottenmuseum.

Beim Bund der Evangelischen Kirchen gab es zunächst eine etwas größere Offenheit: „vielleicht braucht man ab und zu Träumer, die uns alle aus eingefahrenen Geleisen herauslocken. Ich halte es in der Tat für erwägenswert, der französischen Theaterkultur einen ständigen Platz zuzuweisen“, heißt es in einem kircheninternen Vermerk.

Andere Kirchenmänner halten Gespräche mit Hacks jedoch für „ziemlich sinnlos“ oder den Antrag gar für das „Produkt einer etwas feuchtfröhlichen Stunde“. Die Absage der Hugenottengemeinde vom 14.

Juli 82 bleibt das letzte Wort in dieser Sache. Die Trauerfeier für den Atheisten Peter Hacks findet am 4.

September 2003 in der Französischen Friedrichstadtkirche statt. Unter den Gästen neben Beltz viele aus der DDR-Kulturszene: Volker Braun, Eberhard Esche, Christoph Hein, Klaus Höpcke, Hermann Kant, Wolfgang Kohlhaase, Werner Mittenzwei.

Auf den Prominentenfriedhof an der Chausseestraße wollte Hacks nicht. Dort liegt auch Heiner Müller, mit dem sich Hacks längst überworfen hatte.

Sein Verleger Matthias Oehme zitiert seine Gründe: „Ich habe mir mit Heiner Müller nicht so viel zu erzählen, dass es für eine Ewigkeit reichen würde.“ Und so wird Hacks auf dem zweiten Friedhof der Hugenotten beigesetzt, in der Liesenstraße, nur wenige Meter entfernt von Theodor Fontane.

Sollten Ihnen Fehler aufgefallen sein, schicken Sie uns gerne eine E-Mail an fehlerhinweis@taz. Inhaltliche Rückmeldungen hinterlassen Sie uns am besten als Leser*innenkommentar unter diesem Text

Als Erinnerungsort an den Kolonialismus in Polen könnte die Preußische Seehandlung viel erzählen. Erzählt aber wird da am Berliner Gendarmenmarkt nichts dazu.

Die Geschichte schreibt ihre Helden und vergisst sie wieder Im Berliner Hugenottenmuseum erinnert Paul Rosiés Glasmalerei an die Bartholomäusnacht vom 23.

Nach 25 Jahren Verfall ist ein denkmalgeschützter Brunnen hinter dem ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude restauriert. Der Park dort ist ein Geheimtipp.

taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro.

Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“

T.Gilbert--TFWP