The Fort Worth Press - Pflegeversicherung steht trotz angekündigter Reform weiter unter Finanzdruck

USD -
AED 3.672502
AFN 64.999801
ALL 81.123148
AMD 360.500471
ANG 1.789785
AOA 917.000256
ARS 1545.2224
AUD 1.432593
AWG 1.8
AZN 1.699323
BAM 1.744435
BBD 2.013263
BDT 124.343874
BGN 1.747831
BHD 0.37725
BIF 3004
BMD 1
BND 1.278581
BOB 12.140484
BRL 5.482997
BSD 0.999585
BTN 94.811201
BWP 13.808328
BYN 2.953267
BYR 19600
BZD 2.01032
CAD 1.395745
CDF 2309.99985
CHF 0.819297
CLF 0.024881
CLP 979.229915
CNY 6.648303
CNH 6.67311
COP 3211.19
CRC 454.527211
CUC 1
CUP 23.989333
CVE 98.874952
CZK 21.7741
DJF 177.719832
DKK 6.68478
DOP 60.250267
DZD 136.047703
EGP 55.341795
ERN 15
ETB 162.433359
EUR 0.89441
FJD 2.24675
FKP 0.745229
GBP 0.745525
GEL 2.594972
GGP 0.745229
GHS 11.649649
GIP 0.745229
GMD 73.500741
GNF 8800.000044
GTQ 7.642051
GYD 209.539525
HKD 7.845775
HNL 26.869372
HRK 6.76901
HTG 131.015506
HUF 326.079501
IDR 18136.55
ILS 3.161404
IMP 0.745229
INR 94.73755
IQD 1515.298819
IRR 1879654.000336
ISK 121.830148
JEP 0.745229
JMD 158.843703
JOD 0.709046
JPY 158.244498
KES 129.939703
KGS 87.449904
KHR 4085.000211
KMF 439.999912
KPW 899.999961
KRW 1345.590138
KWD 0.31144
KYD 0.832995
KZT 452.368741
LAK 22530.000318
LBP 89550.000227
LKR 332.306128
LRD 170.225022
LSL 16.636267
LTL 2.95274
LVL 0.60489
LYD 6.414756
MAD 9.828437
MDL 18.057593
MGA 4514.054577
MKD 55.025816
MMK 2099.543828
MNT 3601.136904
MOP 8.078026
MRU 40.503405
MUR 47.296346
MVR 15.460069
MWK 1736.999996
MXN 18.60742
MYR 4.077023
MZN 63.858728
NAD 16.636267
NGN 1344.610252
NIO 36.783168
NOK 9.224075
NPR 151.697565
NZD 1.77751
OMR 0.384497
PAB 0.999799
PEN 3.467019
PGK 4.482837
PHP 63.508022
PKR 276.504083
PLN 3.95665
PYG 5917.059487
QAR 3.653878
RON 4.778806
RSD 105.237022
RUB 81.526084
RWF 1478.412502
SAR 3.764439
SBD 8.058206
SCR 13.716903
SDG 601.505751
SEK 9.795495
SGD 1.28118
SHP 0.748335
SLE 22.899227
SLL 20969.504398
SOS 571.280766
SRD 37.5795
STD 20697.981008
STN 21.85227
SVC 8.746259
SYP 13001.999685
SZL 16.630915
THB 33.779783
TJS 9.191303
TMT 3.5
TND 2.987517
TOP 2.40776
TRY 49.986598
TTD 6.761717
TWD 32.797203
TZS 2643.297997
UAH 45.650373
UGX 4277.693292
UYU 40.190338
UZS 11944.718217
VES 887.4798
VND 25766
VUV 118.901474
WST 2.774695
XAF 586.694254
XAG 0.02045
XAU 0.000256334342
XCD 2.70255
XCG 1.80143
XDR 0.707052
XOF 586.694254
XPF 106.371498
YER 236.198647
ZAR 16.66562
ZMK 9001.208965
ZMW 20.242167
ZWL 321.999592
SSP 5745.200537
MXV 2.095014
  • TecDAX

    9.3300

    4020.85

    +0.23%

  • DAX

    -14.4200

    25560.59

    -0.06%

  • Euro STOXX 50

    -2.0100

    6316.19

    -0.03%

  • SDAX

    25.4400

    18245.41

    +0.14%

  • MDAX

    62.1200

    31304.08

    +0.2%

  • Goldpreis

    -27.0000

    4356.9

    -0.62%

  • EUR/USD

    -0.0002

    1.1467

    -0.02%

Pflegeversicherung steht trotz angekündigter Reform weiter unter Finanzdruck
Pflegeversicherung steht trotz angekündigter Reform weiter unter Finanzdruck

Pflegeversicherung steht trotz angekündigter Reform weiter unter Finanzdruck

Pflegereform und Finanzlöcher : Protest allein löst das Problem nicht Die Pflegekassen müssen sparen – dafür braucht es Maßstäbe.

Textgröße:

Pflegereform und Finanzlöcher : Protest allein löst das Problem nicht Die Pflegekassen müssen sparen – dafür braucht es Maßstäbe.

Pflegende Angehörige müssen geschützt werden, Künftige Erb:innen hingegen nicht. Ziemlich blank: Carsten Linnemann vor der konstituierenden Sitzung der Pflegestrukturkommission im Bundesministerium für Gesundheit

F ast könnte man Mitleid bekommen mit Carsten Linnemann (CDU). Auf Facebook fleht der CDU-Bundesgesundheitsminister in einem Video um Unterstützung für sein Pflege-Spargesetz.

Es wirkt verzweifelt: „Ich freu mich über Vorschläge, wie wir das System zukunftsfest machen. Ich freue mich, wenn ihr mitmacht“, sagt Linnemann, von dem es heißt, dass ihm das Amt des Gesundheitsministers vom Bundeskanzler aufgezwungen worden sein soll.

Es ist ein finanzielles Problem, wenn vor 20 Jahren zwei Millionen Pflegebedürftige Leistungen aus der Pflegeversicherung bekamen und es jetzt sechs Millionen sind. Ohne Reformen fehlen der gesetzlichen, der sogenannten Sozialen Pflegeversicherung (SPV) im kommenden Jahr fast 8 Milliarden Euro, im Jahr 2030 dann 17 Milliarden Euro.

Protest allein kann das Finanzierungsproblem leider nicht lösen, das weniger durch politischen Kürzungswillen als durch die Zunahme der Leistungsempfänger:innen entstanden ist. Selbst wenn man die Einnahmebasis verbreitern und etwa eine Art Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Pflegekasse einrichten könnte, würde das nicht reichen, die Pflegekassen zu stabilisieren.

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979.

Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Es führt also kein Weg an einer Spardebatte vorbei. Das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG), das an diesem Donnerstag erstmals in den Bundestag kommt, soll ein Anfang sein.

Doch die Empörung darüber zeigt, welche Fehler gemacht wurden. Die Pflegekassen sind ein System, hinter dem sich sehr unterschiedliche Schicksale verbergen.

Eine Ehefrau, die ihren demenzkranken, inkontinenten, verhaltensauffälligen, immobilen 75-jährigen Ehemann, Pflegegrad 4, schon seit Jahren zu Hause pflegt und beaufsichtigt, bringt Opfer, die Nichtbetroffene kaum ermessen können. Etwas anders sieht es im Haushalt eines alten Ehepaares aus, wo die Frau, Pflegegrad 3, zwar etwas Hilfe im Alltag braucht, aber gut orientiert ist und mit dem Rollator noch mobil.

Die fast 600 Euro Pflegegeld im Monat fließen dort ins allgemeine Haushaltsbudget ein. Details in den Fähigkeiten und im Verhalten eines Pflegebedürftigen, in der Wohn- und Familiensituation, können darüber entscheiden, ob der Alltag noch einigermaßen entspannt ist oder hohe Opfer vom Umfeld verlangt.

Wobei die Einstufung in die fünf Pflegegrade Unschärfen birgt: Sie erfolgt wegen der Selbstauskunft in einem einzigen Gespräch vor Ort mit einer Gutachter:in. Es werden Tätigkeiten des Alltags abgefragt und ob man diese noch „selbständig“, „überwiegend selbständig“, „überwiegend unselbständig“ oder „unselbständig“ ausführen kann.

Die Auskünfte können unterschiedlich ausfallen, und oft gibt es Neid, wenn etwa einer Antragstellerin ein Pflegegrad 3 zugestanden wird, der genauso gebrechlichen Nachbarin aber nur Grad 2. Abschaffung der „Verhinderungspflege“ ist fatal

Aus Gründen der Ersparnis die Schwellen für die Pflegegrade etwas heraufzusetzen, wie es das Pflegeneuordnungsgesetz vorsieht, ist zwar unschön, aber noch relativ vertretbar. Die beiden höchsten Pflegegrade 4 und 5 sind von dieser Anhebung ausgenommen, und das ist gut so.

Man darf es nicht verschweigen: Leider gibt es Missbrauch. Leicht kann ein Pflegehaushalt in der „Verhinderungspflege“ über 3.500 Euro pro Jahr kassieren, wenn nur irgendeine Bekannte als „Ersatzpflegeperson“ für vermeintliche Ausfallzeiten angegeben wird, obwohl diese Pflege gar nicht stattfand.

Dieser Missbrauch ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Sauerei, denn er beschädigt die Akzeptanz des Systems. Mit dem Hinweis auf häufigen Missbrauch soll die „Verhinderungspflege“ abgeschafft beziehungsweise umgewandelt werden.

Das ist fatal für hunderttausende pflegende Angehörige. Etwa für die Mutter des schwerstbehinderten Kindes, die das Geld braucht, um Ersatzpflege mit vertrauten Personen zu finanzieren, weil das Förderzentrum lange Ferien hat und sie ihren Teilzeitjob aber nicht einfach unterbrechen kann.

Pflegende Angehörige müssen außerdem auch selbst mal Freizeit haben, zum Arzt, zum Sport und die Verhinderungspflege durch Ersatzpersonen auch stundenweise finanzieren können. Wie aus Kreisen der SPD-Fraktion verlautet, werden im parlamentarischen Verfahren noch Änderungen des Gesetzentwurfs angestrebt, darunter auch der Schutz von Pflegeleistungen wie etwa der Verhinderungspflege.

Heikel ist die Frage, inwieweit eigenes Einkommen und Vermögen der Pflegebedürftigen eingesetzt werden sollen, wenn es zum Heimaufenthalt kommt. Die SPD fordert mehr Zuschüsse zu den steigenden Eigenanteilen der Heimbewohner:innen.

Laut einem Gutachten des Instituts für Wirtschaftsforschung wäre aber über die Hälfte der Rentnerhaushalte in der Lage, die Eigenanteile im Falle des Heimaufenthaltes finanziell zu stemmen, sogar ohne dass dafür eine eigene Immobilie verwertet werden muss. Es ist also richtig, wenn die jetzt eingesetzte Pflegestrukturkommission höhere Zuschüsse zu den Heimkosten von der Einkommens- und Vermögenslage der Pflegebedürftigen abhängig machen will.

Wobei der Sturz in die Sozialhilfe verhindert und die Vermögen nicht noch stärker geschützt werden sollen als bisher ohnehin schon. Dass pensionierte Beamte mit Steuermitteln abgesichert werden, um ihr Vermögen zu schonen, könnte man hinterfragen

Pensionierte Beamte werden im Falle eines Heimaufenthaltes derzeit per Beamtenrecht extra abgesichert, aus Steuermitteln, um deren Vermögen zu schonen. Wohlhabende, die ihr Vermögen für die Erb:innen sichern wollen, können dies durch eine früh abgeschlossene private Pflegezusatzversicherung tun.

Dass Ausgaben begrenzt werden müssen, ist ernüchternd, aber in der Pflegeversicherung nicht zu vermeiden. Eine Diskussion, wo im System noch am ehesten gespart werden könnte und wo überhaupt nicht, ist angesagt und sollte nicht von vornherein tabuisiert werden, auch nicht aus linker Perspektive.

Etwas Pragmatik schadet auch den Gerechtigkeitsdebatten nicht. Redakteurin für Sozialpolitik und Gesellschaft im Inlandsressort der taz.

Schwerpunkte: Arbeit, soziale Sicherung, Psychologie, Alter. Bücher: "Schattwald", Roman (Piper, August 2016).

J.M.Ellis--TFWP