TecDAX
9.3300
Bis zu 1,5 Millionen Menschen haben in Italien nach Gewerkschaftsangaben gegen steigende Lebenshaltungskosten und für mehr Geld für Bildung demonstriert. Die Gewerkschaft USB schätzte die Zahl der Teilnehmer bei den landesweiten Protesten am Freitag auf mindestens eine Million. Die Behörden machten keine Angaben zur Teilnehmerzahl. Vereinzelt kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.
An den Protesten in dutzenden Städten nahmen unter anderem Schüler, Studenten, Arbeiter, Landwirte und Rentner teil. Die Demonstranten kritisierten steigende Mieten und Treibstoffpreise, aber auch steigende Verteidigungsausgaben. Die Gewerkschaft USB hatte zu einem Generalstreik aufgerufen.
In der Hauptstadt Rom und in der Millionenmetropole Mailand begannen an den Hauptbahnhöfen Demonstrationszüge mit tausenden Teilnehmern. "Wir brauchen mehr Häuser und nicht mehr Bomben", riefen Protestierende in Rom. "Wir wollen nicht, dass Fenster auf unsere Köpfe fallen, wir wollen keine Mäuse in unseren Schulen", sagte die 16-jährige Demonstrantin Sofia Cataldi. Gegen Ende der Kundgebung in Rom warfen einige junge Demonstranten Flaschen, stießen Mülleimer um und setzten einen in Brand.
In Mailand führte der Demonstrationszug vom Hauptbahnhof stadtauswärts. Vor zwei Wochen war es im Zuge von Protesten im Zentrum zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Sicherheitskräften gekommen. Zudem wurden Geschäfte geplündert, und es kam zu Sachbeschädigung.
Proteste gab es am Freitag unter anderem auch in Bologna, Genua, Neapel und Turin. In Turin kam es zwischenzeitlich zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke und einen Wasserwerfer ein.
Vor zwei Wochen war es auch in Turin am Rande von Protesten zu schwerer Randale gekommen. Die Regierung der rechtsgerichteten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verschärfte daraufhin die Regeln für Demonstrationen und erleichterte die Festnahme von Minderjährigen. Sie setzt außerdem auf eine massive Polizeipräsenz bei Demonstrationen.
Auch in anderen europäischen Ländern gibt es Proteste gegen steigende Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungswesen. In Deutschland sind für Samstag nach einem Aufruf der Initiative "GenZ regelt" bundesweite Jugendproteste geplant. Junge Menschen wollen unter anderem für bessere Bildung und ein bezahlbares Leben auf die Straße gehen - aber auch für mehr Klimaschutz, gegen Kürzungen im Sozialbereich sowie gegen Aufrüstung und mehr Überwachung.
In Frankreich werden am Samstag ebenfalls neue Proteste erwartet. In den vergangenen Wochen waren bei Protesten in Frankreich hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen. Vor zwei Wochen kam es dabei zu massiven Ausschreitungen.
F.Carrillo--TFWP