TecDAX
9.3300
Die Bundesregierung und der US-Chipriese Nvidia wollen zusammen die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) für die Industrie voranbringen. Es sei vereinbart worden, "eine Initiative zur Entwicklung modernster KI-Modelle für Physical AI voranzutreiben", erklärte die Bundesregierung am Montag anlässlich eines Investitionsgipfel in Berlin. Nvidia-Chef Jensen Huang sagte bei der feierlichen Eröffnung des Gipfels, er glaube an Deutschland und kündigte weitere Investitionen an.
Physical AI bezeichnet KI, die in physischen Systemen wie etwa Robotern integriert wird. Ziel der Partnerschaft mit Nvidia ist es laut Bundesregierung, "industrielle KI systematisch in die breite Anwendung zu bringen und ein hochmodernes industrielles KI-Ökosystem in Europa zu etablieren – mit starken deutschen Unternehmen und Forschungseinrichtungen". Das Bundeswirtschafts- und das Forschungsministerium hätten eine entsprechende Absichtserklärung mit Nvidia unterzeichnet.
Die Initiative baue auf "Deutschlands herausragenden Industriedaten, seiner Fertigungskompetenz und seiner Expertise im Ingenieurswesen auf", erklärte die Bundesregierung weiter. Sie machte keine Angaben zu möglichen Investitionen ihrerseits. Medien hatten zuvor darüber berichtet, dass der Bund staatliche Investitionen in Millionenhöhe erwäge.
An der Seite von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wies Nvidia-Chef Huang am Montagabend auf das Engagement seines Unternehmens in Deutschland hin. "Im letzten Jahr haben wir fast eine Milliarde Dollar investiert", sagte er. "Diese Woche investieren wir in vier neue Unternehmen."
Merz hatte zuvor in seiner Eröffnungsrede zum Gipfel für Investitionen geworben: "Wir sind offen für Geschäfte und Partnerschaften", sagte der Kanzler, der seine Ansprache auf Englisch hielt. "Wir glauben an Multilateralismus, internationalen Handel und offene Märkte. Und vor allem können Sie weiterhin auf uns als stabilen, zuverlässigen Partner zählen, der diesen Werten treu bleibt."
"Wir befinden uns mitten in einem tiefgreifenden wirtschaftlichen und technologischen Wandel, der durch exponentielle Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz vorangetrieben wird", sagte Merz. "Gleichzeitig sehen wir uns mit den stärksten wirtschaftlichen und geopolitischen Gegenwinden seit Generationen konfrontiert." Er verwies unter anderem auf die Kriege in der Ukraine und in Nahost sowie der Golfregion.
Im Gespräch mit Huang appellierte Merz an den deutschen Mittelstand: "Bitte öffnen Sie Ihre Türen für die KI, damit diese Ihre Daten nutzen kann. Das ist für die Zukunft Deutschlands von entscheidender Bedeutung." Es sei ein echter Vorteil für Deutschland, wenn all die Daten genutzt würden, die bereits in den Unternehmen verfügbar seien.
Der Nvidia-Gründer bezeichnete die physische KI als nächste Welle der Technologie. "Hier interagiert KI mit der physischen Welt: Robotik, Fertigung, Automobilindustrie, Schwerindustrie. Das wird niemals durch digitale Technologie ersetzt werden", sagte Huang. KI könne die Fähigkeiten "also nur erweitern", nicht ersetzen. "Nutzen Sie also die Vorteile dieser Technologie", fuhr er fort.
Huang entwarf eine Vision für die Industrie der Zukunft. "Jedes einzelne Unternehmen wird in Zukunft zwei Fabriken haben: die reale Fabrik und die digitale Fabrik", sagte der Nvidia-Chef. Er glaube, dass "die meisten Menschen hier in Deutschland in Zukunft größtenteils in einem digitalen Zwilling ihres Unternehmens arbeiten werden".
Diese Roboter würden in einer Fabrik "Autos bauen, die selbst robotergesteuert sind, und alles wird vollständig softwaregesteuert sein, alles wird vollständig KI-gesteuert sein."
In Erlangen treibt Siemens bereits zusammen mit Nvidia Pläne für eine vollständig KI-getriebene Fabrik voran. Siemens habe in seinem Elektronikwerk in Erlangen erstmals neue KI-Lösungen für die industrielle Fertigung vorgestellt, die ein "großer Schritt hin zur KI-getriebenen, autonomen Fabrik" seien, erklärte Siemens am Montag.
Zu dem internationalen Investitionsgipfel in Berlin werden etwa 200 Unternehmenschefs aus dem In- und Ausland erwartet. Mit der Veranstaltung will Berlin Investitionen in wichtige Branchen anwerben und privates Kapital mobilisieren. Den Angaben nach soll der Gipfel "Startpunkt" einer breiteren Initiative sein und Investoren dauerhaft binden.
X.Silva--TFWP