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Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach dem Tod von zwei Soldaten bei einem Angriff bewaffneter Palästinenser im besetzten Westjordanland eine großangelegte Militäroffensive angekündigt. Vier Tage vor der Parlamentswahl in Israel ordnete Netanjahu am Freitag eine "vollständige Abriegelung" des Palästinensergebiets an. Er stellte zudem eine Militäroffensive in Aussicht, wie es sie seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 nicht gegeben habe.
Zwei Angreifer hatten am Freitagmorgen an einem Kontrollpunkt nahe Hebron mit einer Pistole und einem automatischen Gewehr das Feuer auf israelische Soldaten eröffnet. Sie töteten nach Armeeangaben zwei 20 und 23 Jahre alte Soldaten und verletzten drei weitere, bevor sie erschossen wurden.
Ein AFP-Fotograf beobachtete den Schusswechsel und sah anschließend die Leichen der von den Streitkräften erschossenen Palästinenser neben einer Tankstelle. Israelischen Medienberichten zufolge dauerte die Schießerei etwa 20 Minuten.
Netanjahu besuchte nach dem Angriff Hebron, wo er das Vorgehen der Soldaten würdigte. Sie hätten einen "schweren Terroranschlag" verhindert, sagte er.
"Der Verteidigungsminister und ich erwägen eine sehr weitreichende Militäroperation in Judäa und Samaria, wie es sie seit dem Sechstagekrieg nicht mehr gegeben hat", erklärte Netanjahu und verwendete dabei die biblischen Namen für das Westjordanland. "Die Armee ist bereit, sie auszuführen, und wir werden den Zeitpunkt festlegen. Aber sie wird kommen."
Für einen ersten Einsatz kündigte Netanjahu an: "Wir werden die Bewohner evakuieren, wir werden von Haus zu Haus gehen, wir werden auch dort die Waffen beschlagnahmen, und die gesamte terroristische Infrastruktur wird angegangen und zerstört werden."
Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, im Raum Hebron solle nach dem Vorbild der israelischen Militäroperation in Flüchtlingslagern im nördlichen Westjordanland vorgegangen werden. Die Armee teilte mit, sie habe im Raum Hebron "Anti-Terror-Einsätze" begonnen und durchsuche Häuser von Verdächtigen. Netanjahu sprach auch von großangelegten Festnahmewellen.
Netanjahus rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich verlangte eine Militäroffensive im Westjordanland "genau wie im Gazastreifen". Die Palästinensische Autonomiebehörde müsse zerschlagen, Waffen müssten eingesammelt und "Terroristen eliminiert" werden. Smotrich ordnete nach eigenen Angaben zudem den sofortigen Abriss zahlreicher aus seiner Sicht illegaler palästinensischer Bauten nahe dem Tatort an.
Der rechtsextreme Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir forderte ebenfalls die Auflösung und Entmilitarisierung der Palästinensischen Autonomiebehörde. "Wir dürfen nicht warten, bis sich ein 7. Oktober im Westjordanland ereignet", warnte er. Hinweise darauf, dass die Autonomiebehörde an dem Angriff beteiligt war, lagen nicht vor.
Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem warnte als Reaktion auf die Ankündigungen vor "Kollektivstrafen" und eine Vertreibung von Palästinensern. "Israelische Politiker kündigen öffentlich Pläne für eine Kollektivstrafe und für Handlungen an, die Kriegsverbrechen darstellen könnten." In Deutschland kritisierten Grüne und Linke ebenfalls eine "Kollektivstrafe" gegen Millionen Palästinenser, die gegen das Völkerrecht verstoße.
Anfang 2025 hatte Israels Armee einen großangelegten Militäreinsatz in Flüchtlingslagern im nördlichen Westjordanland begonnen. Nach UN-Angaben durften bis Juli dieses Jahres 33.362 vertriebene Palästinenser aus drei Lagern nicht zurückkehren. Israelische Soldaten sind weiterhin in den Lagern von Dschenin und Tulkarem präsent. Zahlreiche Häuser wurden dort abgerissen.
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 besetzt. Dort leben etwa drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach dem Völkerrecht illegal sind. Hebron ist in einen palästinensisch verwalteten und einen von der israelischen Armee kontrollierten Teil mit israelischen Siedlern aufgeteilt. Zuletzt verschärften Siedlerangriffe auf palästinensische Olivenbauern die Spannungen.
Seit dem Hamas-Großangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 wurden im Westjordanland nach einer AFP-Zählung anhand palästinensischer Gesundheitsdaten mindestens 1113 Palästinenser getötet, die meisten von ihnen durch israelische Soldaten. Nach UN-Angaben waren darunter 37 von Siedlern getötete Menschen. Israelischen Angaben zufolge kamen im selben Zeitraum mindestens 49 Israelis ums Leben.
Die islamistische Palästinenserorganisation Hamas begrüßte am Freitag den tödlichen Angriff gegen die israelischen Soldaten als "heldenhafte Operation", bekannte sich aber nicht dazu. Sie sprach von einer Reaktion auf die Gewalt gegen Palästinenser und rief zu weiteren Angriffen auf.
In Israel wird am Dienstag ein neues Parlament gewählt. Netanjahu strebt dabei eine weitere Amtszeit an.
D.Johnson--TFWP