The Fort Worth Press - Schlappe für Koalition: Bundesrat stoppt geplante 1000-Euro-Entlastungsprämie

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Schlappe für Koalition: Bundesrat stoppt geplante 1000-Euro-Entlastungsprämie
Schlappe für Koalition: Bundesrat stoppt geplante 1000-Euro-Entlastungsprämie / Foto: © AFP/Archiv

Schlappe für Koalition: Bundesrat stoppt geplante 1000-Euro-Entlastungsprämie

Dämpfer für die schwarz-rote Koalition: Der Bundesrat hat die geplante 1000-Euro-Entlastungsprämie gestoppt. Der dazugehörige Gesetzentwurf bekam am Freitag in der Länderkammer keine Mehrheit. Mehrere Länder kritisierten die zusätzliche Belastungen, die sich durch die Steuerausfälle für sie und die Gemeinden ergeben hätten. Die Opposition sieht im Scheitern der Prämie ein Fiasko für die Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU).

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Baden-Württembergs scheidender Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warf der Bundesregierung vor, regelmäßig Gesetze zu verabschieden, für deren Folgekosten sie nicht aufkomme. "Die Kosten bleiben dann bei Ländern und Kommunen hängen", kritisierte Kretschmann. Der Grünen-Politiker äußerte den Eindruck, dass beim Bund "das Gespür für einen gut funktionierenden Föderalismus weitgehend abhanden gekommen" sei.

Der Plan der Bundesregierung sah vor, Unternehmen durch die Gesetzesänderung die Möglichkeit zu geben, ihren Beschäftigten eine steuer- und abgabenfreie Prämie von 1000 Euro zu zahlen. Für die Länder und Kommunen wäre dies mit Einnahmeausfällen verbunden gewesen. Eine Gegenfinanzierung hatte die Koalition lediglich in Form einer höheren Tabaksteuer vorgesehen, die aber alleine dem Bund zugute kommt.

Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) kritisierte, dass der Bund nur eine Gegenfinanzierung "bei sich selbst" geplant habe. Die Bundesregierung habe sich der Forderung verweigert, bei Ländern und Kommunen für einen Ausgleich zu sorgen. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) betonte: "Die geplanten Maßnahmen kosten alle Geld und belasten unsere Haushalte."

Nach dem Nein des Bundesrats haben Bundesregierung oder Bundestag die Möglichkeit, den Vermittlungsausschuss anzurufen. "Über die weiteren Verfahrensschritte wird die Bundesregierung zeitnah entscheiden", sagte Vizeregierungssprecher Steffen Meyer in Berlin. Er kündigte Gespräche mit den Ländern an, zudem werde der Koalitionsausschuss kommende Woche über das weitere Vorgehen beraten.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) forderte Merz auf, nun ein großes Reform-Gesamtpaket auf breiter politischer Grundlage vorzubereiten. Der Entlastungs- und Reformbedarf in Deutschland habe "eine Dimension erreicht, wo es notwendig ist, dass der Kanzler mit den Ministerpräsidenten zusammenkommt und auch mit den Sozialpartnern, um umfangreiche Maßnahmen zu besprechen", sagte Schwesig.

Mit einer Entlastungsprämie sei es nicht getan, betonte Schwesig. "Einzelmaßnahmen alleine helfen uns nicht mehr weiter." Nötig sei eine Einkommensteuerreform zur Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen.

Die Grünen sehen den Kanzler nach der Niederlage im Bundesrat geschwächt. "Wenn die eigenen CDU-Ministerpräsidenten die Krisenpolitik des Kanzlers stoppen, dann ist das ein Fiasko für Friedrich Merz persönlich", sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge. "Diese Koalition muss zurück in die Montagehalle. Da fällt gerade alles auseinander, was auseinanderfallen kann."

Von der "unfähigsten Bundesregierung aller Zeiten" sprach Linken-Ko-Chefin Ines Schwerdtner. Statt frühzeitig mit den Ländern und Kommunen "pragmatische Lösungen zur Entlastung der Menschen zu finden", würden "Gesetze halb fertig präsentiert und scheitern anschließend am Widerstand im Bundesrat".

Aus der SPD kam hingegen Kritik an der Entscheidung des Bundesrats. Fraktionsvize Wiebke Esdar kritisierte das Votum als "unverständlich", weil damit eine Entlastung der Bürgerinnen und Bürger verhindert werde. Die Koalition werde sich "weiterhin dafür einsetzen, dass notwendige Entlastungen schnellstmöglich Realität werden".

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) zeigte sich enttäuscht über das Votum des Bundesrats. Auch wenn viele Unternehmen die Prämie nicht hätten zahlen können, wäre sie doch "ein zusätzlicher Weg zur Unterstützung von Beschäftigten gewesen", sagte die SoVD-Vorstandschefin Michaela Engelmeier den Funke-Zeitungen.

Für die Arbeiterwohlfahrt (AWO) kommt das Prämien-Aus hingegen "nicht überraschend". Die Entscheidung zeige: "Entlastungsversprechen scheitern, wenn ihre Finanzierung nicht verbindlich geregelt ist", erklärte AWO-Vorstand Marvin Deversi.

Von einer "erforderlichen Notbremsung", sprach der Präsident der Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian. Eine gut gemeinte Prämie dürfe nicht zu zusätzlichen Kosten für die Unternehmen führen.

Neben den Arbeitgebern stieß die geplante Prämie auch auf Seiten der Gewerkschaften auf große Vorbehalte. Letztere argumentieren, dass es sich lediglich um eine Einmalzahlung handelt, die nicht zu einer dauerhaften Gehaltssteigerung für die Beschäftigten führt, sondern möglicherweise in Konkurrenz zu einer linearen Anhebung der Bezüge steht.

L.Davila--TFWP